Motorrad fahren + (Lebens)Führung:
Persönliche Fähigkeiten lassen sich überall lernen!
„Was ist Dein Adrenalin Erlebnis?“ so lautete eine Frage in der Vorstellungsrunde beim Motorrad-Intensiv-Training vom ADAC, welches ich letzte Woche absolviert habe.
Als ich diese Frage las, dachte ich sofort an Schocksituationen, die starke Emotionen auslösen und schnell war ich mit meinen Gedanken bei dem Umgang mit Kontrollverlust, Ärger oder Wut. Und weiter bei den persönlichen Fähigkeiten, die den Umgang mit Kontrollverlust meistern, die unsere Persönlichkeit prägen und unser Handeln beeinflussen.
Somit entstand dieser Artikel, indem ich einige erlebte Impulse, Gedanken und Hinweise aus dem Motorrad-Training auf schwierige Situationen aus dem Alltag übertragen möchte.
Der Fahrtrainer also weiter: „Grundsätzlich gilt heute: Ich erkläre die Übungen und fahre sie vor. Habt Ihr alles verstanden und trotzdem sagt euer Bauch „nein“, dann macht die Übungen nicht! Ihr entscheidet selbst, was geht und was nicht geht – die Sicherheit steht an oberster Stelle!“
Was ist denn die Sicherheit in unserem Alltag? Wenn die Sachlage eindeutig ist und unser Verstand sagt, es ist alles klar oder wenn wir immer auf unser Bauchgefühl hören? Wir alle kennen das Gefühl in unserer Magengegend was plötzlich auftaucht wenn der Bauch die „sichere“ Verstandes-Entscheidung zum Wackeln bringt.
Schritttempo fahren
„Schritt fahren ist das Schwierigste beim Motorrad fahren!“ so der Fahrtrainer vor der ersten Übung auf dem Gelände. Hier geht es darum, das eigene Tempo zu drosseln und so langsam zu fahren, dass jeder Mensch zu Fuß mitgehen kann, egal wie viel PS das Motorrad hat.
Wir alle erlebten: das erfordert höchste Konzentration! Kupplung kommen und schleifen lassen, großer Zeh auf der Hinterradbremse, Füße oben lassen, Gas geben und gleichzeitig den Blick nach vorne gerichtet halten.
Bedeutet das, dass ich viele Dinge gleichzeitig beachten muss, wenn es mein Ziel ist, möglichst alle Menschen oder Teammitglieder auf dem gemeinsamen Weg mit zunehmen ? Welche Dinge könnten das konkret sein? Wie wäre es mit: Struktur, Klarheit, Kommunikation, Zielvereinbarung, Wahrnehmung, Rückmeldung, Feedback, Berichterstattung, Verlässlichkeit….?
Die hohe Kunst der Team-Mitarbeiter-Führung liegt u.a. darin, ständig auszubalancieren, um das „richtige“ Tempo zu finden, damit keiner „umkippt“ (wie auch mit dem Motorrad).
Lenkimpuls geben
Anders als beim Autofahren müssen wir beim Motorrad "gegensteuern". Vielen ist das "Gegenlenken" kaum bewusst. Der Handlungsablauf ist bereits durch die zurückliegende Fahrpraxis in Fleisch und Blut übergegangen. Soweit die gute Nachricht.
Gilt es in einer Paniksituation urplötzlich einem Hindernis auszuweichen, kann die sicher geglaubte Routine versagen. Für den Ernstfall ist ein bewusst eingesetzter Lenkimpuls lebensrettend, es ist wichtig dieses blitzschnelle Reagieren präventiv zu trainieren:
- Rechts fahren = rechts am Lenker drücken durch "Impulsgebung"!
- Links fahren = links am Lenker drücken durch "Impulsgebung"!
- In Kurven den "Lenkimpuls" halten!
Dieses Phänomen begegnet uns auch im Alltag! Immer wenn eine schwierige Situation auftaucht und wir gerne darum herum gehen möchten.
Ein Beispiel: Wir wollen einem Kritikgespräch ausweichen oder es verdrängen. „Es wird schon wieder gut werden“ ist eine häufige Reaktion darauf. Hilft sie uns auch? Was passiert denn, wenn wir mit sanften Druck bewusst gegenlenken, also in die schwierige Situation hineinlenken - im Sinne von thematisieren statt dramatisieren?
Die Chance ein Problem wirklich zu verstehen oder zu lösen, erhöht sich um ein Vielfaches, wenn wir es offen ansprechen, anstatt mit der „Es-wird-schon-wieder-gut-Einstellung“ auf Besserung zu hoffen. Im Gegenteil, der nicht geklärte Druck kann sich so stark erhöhen, dass die sprichwörtliche Bombe plötzlich platzen kann und keiner mehr weiß warum und wieso.
Wo-will-ich-hin: Augen führen
Das Ah und Oh beim Motorradfahren ist das Vorausschauen und der Blick nach vorne. Im Training ging es also nicht darum, das erste Hütchen zu betrachten sondern die Zwischenräume der ganzen Reihe abzuscannen und bis in die Ferne (es war der Waldrand) zu schauen.
Ob Kurven fahren, auf engen Raum wenden oder ausweichen: wir fahren immer nur dort hin wo uns unser Blick hinführt. Das ist besonders gefährlich wenn unser Blick Hindernisse oder Ablenkungen z.B. am Straßenrand folgt. Schauen wir dort hin, so fahren wir direkt darauf zu.
Mit Wo-will-ich-hin-Augen-führen heißt also am Hindernis vorbei zu sehen und mit den Augen dem Ziel weiter zu folgen, soweit es eben sichtbar und möglich ist. Wie verhalten wir uns dazu im Alltag? Wie oft betrachten wir Hindernisse oder die vielen „Ja - Abers“, die uns so begegnen? Haben wir wirklich immer unser Ziel vor Augen?
Besonders bei schlechter Sicht, sollte nicht nur der Motorradfahrer seinen Kopf in den Kurvenverlauf drehen, um nicht auf die Gegenfahrbahn zu gelangen…
Spaßfaktor beachten!
Bei aller Anstrengung oder Herausforderung, ob im Motorradtraining oder im Alltag – Spaß und Freude ist die Voraussetzung zum Gelingen. Wir hatten viel Spaß, haben viel gelacht und lustige Pausengespräche geführt. Diese „Zwischen-Durch-Ent-Spannung“ ermöglichte uns bis abends konzentriert zu trainieren.
Wer ebenfalls Spaß hat, diesen Artikel an interessierte weiterzuleiten, darf das gerne tun. Rückmeldungen sind erwünscht unter: sab.krause@netcologne.de
Ihre / Eure Sabine Krause
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