Sabine Krause
Dipl.-Ökonomin | Mediatorin BM®
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Aktueller Artikel - Motorrad fahren + (Lebens)Führung: Persönliche Fähigkeiten lassen sich überall lernen!
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...zum Lesen und Nachdenken - viel Spaß! Anregungen und Kommentare sind herzlich willkommen unter: sab.krause@netcologne.de oder per Telefon: 0221 - 1792075.

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Artikel September 2009

Spieglein, Spieglein an der Wand

…wer ist der „Böse“ im Land?            

 

Leben wir in der Vergangenheit, so fragen wir nach dem Schuldigen im Land. Wer ist Verursacher der Situation? Sind es die Manager, die Politiker oder ist es das System?

 

Leben wir in der Zukunft, so könnte das Szenario dramatisch aussehen: Insolvenzen, Umsatzeinbrüche, Arbeitslosenzahlen, Schuldenfalle usw.

 

Vergangenheit und Zukunft helfen uns also nicht weiter – Jetzt ist die Zeit des „Nicht wahr haben Wollens“ vorbei. – Die Krise ist da und kann nicht übersehen werden! Die alten Systeme stehen auf dem Prüfstand und alle sprechen von neuen Wegen, anderen Verhalten und neuem Vertrauen.

 

Vertrauen im Spiegel

 

Wir wissen nicht wann und wie die Krise enden wird. - Keiner weiß es. Die Einen sagen bis 2011 sind wir aus dem Gröbsten raus, die Anderen dagegen reden von 2014/15. Natürlich ist das unterschiedlich von Branche zu Branche, aber wir stecken also in einem Prozess, ohne systemische Sicherheiten.

 

Sicher ist jedoch, wir werden es erleben und erfahren, egal wie es ausgeht und welche Konsequenzen dadurch für uns entstanden sind. Die Bewegungen und die Dynamiken der Veränderungen sind also zum offenen System geworden.

 

Jeden Tag wird neu entschieden und was heute noch „richtig“ war, ist morgen vielleicht nicht mehr möglich oder sogar kontraproduktiv - ob in der Politik oder in der Wirtschaft.

 

Was wir derzeit tun können ist, unser eigenes Verhalten bewusst im Spiegel zu betrachten, um:

 

  • unser Potential auszuschöpfen
  • Vertrauen in den Prozess zu entwickeln
  • neue Verhaltens- und Interpretationsroutinen anzulegen und
  • mit innovativen Lösungsstrategien zu experimentieren.

 

Damit erweitern wir unser Selbstvertrauen, erhalten Sicherheit im Handeln und Tun und können somit Vertrauen auch an Andere weiterleiten. Diese Persönlichkeitsentwicklung steigert unsere Kompetenz und Fähigkeit im Umgang mit der Krise.

 

Fragen + Antworten als Spiegel

 

Schauen wir jetzt in den großen Spiegel, so sehen wir viele Menschen, die in chaotischen Emotionen stecken und viele Fragen haben:

 

Wie sieht unsere Zukunft aus? Verlieren oder behalten wir unseren Arbeitsplatz? Haben wir genug Geld, um schwierige Zeiten zu überstehen? Wann geht es mit unserer Wirtschaft wieder aufwärts? Ist es richtig, wenn der Staat die Banken unterstützt? Wohin geht es mit unserer Schuldenfalle? usw.

 

Bringen uns diese Fragen wirklich zu den Antworten, die uns jetzt unterstützen? Oder geht es darum, in den Spiegel zu sehen und zu erkennen, was wir selber dazu beitragen können, um aus diesem Hamsterrad wieder herauszukommen und mit der Krise umzugehen!

 

Antworten sind die Basis für unsere Gedanken. Denn aus unseren Gedanken wiederum entwickeln sich Gefühle, die über Wohlbefinden oder Unwohlsein entscheiden. Fühlen wir uns „schlecht“, so sind wir blockiert und stecken in einer Sackgasse. Widerstände festigen sich und neues Innovatives kann nicht gesehen, angenommen oder entwickelt werden. Unser Handeln und Tun bis zum Verhalten wird dadurch maßgeblich beeinflusst.

 

Somit ist der erste Schritt zur Verhaltensänderung, die selbstgestellten Fragen mit ihren Antworten als Spiegel zu betrachten, sie bewusst war zu nehmen und umzuformulieren. Wie geht das? Indem wir mit der inneren Stimme arbeiten (Gedanken selbst verbalisieren) und

 

  • die Situation wertfrei und ohne Interpretation schrittweise zusammenfassen: „Was ist konkret passiert?“
  • signalisiert durch unser Befinden, das konkrete Bedürfnis herausfinden, was derzeit nicht erfüllt ist z.B. „Was will ich wirklich erreichen?“
  • den ersten Lösungsschritt gehen, indem wir mit Menschen unseres Vertrauens die Vielfalt der Möglichkeiten sehen lernen

 

Lassen wir alte Verhaltensmuster los, für uns alleine die Lösungen schon vorzugeben, um dann festzustellen, dass es nicht geht; sondern stellen wir unsere Fragen, ohne Antworten, gemeinsam im vertrauten Kollektiv!

 

Spiegeln uns Allianzen Vertrauen wieder?

 

Allianzen sind Verbindungen und/oder Bündnisse, die eingegangen werden, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen, was allein nicht möglich ist, z.B. Allianzen mit und von Banken, Konsolidierung von Wirtschaftsunternehmen oder Allianzen in der Politik. „Gemeinsam stark sein“ ist die eine Sache, aber was bedeutet dieser Prozess jedoch im Einzelnen für die Beteiligten in der Krise?

 

Eine erfolgreiche Allianz ist nur möglich, wenn gegenseitiges Vertrauen besteht. Werden alle Interessen, Bedürfnisse und Anliegen gleichwertig berücksichtigt, so entstehen keine Reibungspunkte und das Zusammensein ist konstruktiv. Wie ist das in Krisenzeiten möglich, wo tagtäglich Veränderungen auf uns einprasseln?

Die Antwort steckt wieder nur in uns selbst – im Spiegel. Verfügen wir über das dazugehörige Vertrauen, sind wir ehrlich und fair? Wissen wir wirklich, was wir wollen und welches Verhalten wenden wir an, um vertrauensvoll zu sein? 

Herzlichst Sabine Krause

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Artikel August 2009

Team aus Motoren, Klimaanlage und Bremse

 

Einblicke in eine Teammediation aus der Automobilbranche

 

„Manchmal geht bei uns gar nichts mehr – dann arbeiten alle gegeneinander…“ so lautete die sorgenvolle Wortmeldung während meines Gespräches mit einem Bereichsleiter eines Automobilzulieferers. Wir planten einen 2tägigen Workshop mit integrierter Konfliktklärung für sein 12köpfiges Team, den ich mit einer CoMediatorin gemeinsam durchführte.

 

Von den Teammitgliedern tauchte bereits am Anfang des Prozesses immer wieder eine Aussage und Frage auf: „Wir machen doch nichts falsch. Warum ist das nur alles so kompliziert? Wir haben doch schon alles versucht!“ Es herrschte eine aufgeregte Stimmung und der Druck, endlich ein sinnvolles Ergebnis zu erreichen, war spürbar.

 

Puzzle zur Klärung

 

Zum Einstieg hatte jedes Teammitglied die Aufgabe, seine Erfahrungen und Erlebnisse zu schildern. Es wurde sehr deutlich, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen der Situation waren. Die Wahrnehmungen differierten sehr stark. Durch eine unauffällige Moderation konnte diese Einzigartigkeit in der Wahrnehmung und in der Wiedergabe als sehr bereichernd für die Beteiligten angenommen werden. Das unterstützte den Prozess des Verstehens und des sich Öffnens.

 

Wir haben anschließend die Metapher eines Puzzles benutzt, um daran die Thematik der Eigenverantwortlichkeit greifbar zu machen: Das Team ist wie ein Puzzle, das sich aus einzelnen Teilen zusammen setzt. Die einzelnen Teile sind ineinander verzahnt und ergeben so eine Struktur mit Verbindungen. Jedes Teammitglied ist ein individueller Teil dieses Ganzen. Im Kontakt miteinander entsteht ihre Verzahnung, das Zusammensein oder das Gegeneinandersein. Keiner allein kann das Teambild verändern.

 

Sprechen Teammitglieder darüber und machen sie sich so ihre gegenseitigen Verbindungen bewusst, können sie Reibungen, Unklarheiten aufgreifen und ihr Verhalten selbst überprüfen. Denn nur sie sind die Spezialisten für ihren Klärungsprozess und nur sie wissen die wirklich erfolgreichen Lösungen dafür.

 

Verhaltensänderung ist schwer

 

Auf der Ebene der eigenen Verhaltensänderungen zu arbeiten, bedeutet seine eigenen „alten“ Strukturen zu verlassen und Neuland zu betreten. Unsicherheiten treten auf, denn niemand weiß im Vorfeld, wie es weiter geht und ob sich etwas verbessert. Ebenso ist viel Mut und Selbstvertrauen gefordert, um etwas Neues (ein anderes Verhalten) auszuprobieren. Ist der Wille und die Bereitschaft gegeben, so ergeben sich Lösungen scheinbar wie von selbst.

 

Tauchen in diesem Zusammenhang Wortmeldungen auf, wie z.B. „…früher war es viel schlimmer, eigentlich ist es jetzt doch ganz okay.“, sind dies Anzeichen dafür, dass der Wille und/oder die Bereitschaft für Lösungen noch nicht gegeben ist. Die derzeitige Bequemlichkeit wird deutlich und setzt sich durch; alte Strukturen und vorhandenes Verhalten sollen bestehen bleiben, um Veränderungen zu vermeiden.

 

Zum Abbau dieser Widerstände und Blockaden, bieten sich Team-Mediations-Methoden an. In diesem Fall viel die Wahl auf die Übung „AutoTeile“: Hier besonders zielgruppenorientiert, da die Bezeichnung Auto-Mobil aus dem griechischen abgeleitet ist und „Selbst“-Beweglich bedeutet!

 

Jedes Teammitglied hatte die Aufgabe, seine Stellung und/oder Position im Team anhand eines Autoteiles zu beschreiben. Jedes Teammitglied sollte ein Teil am Auto darstellen.

 

Autoteile als Team

 

Folgende Autoteile wurden gewählt: Fenster, Klimaanlage, Luft, ein Reifen, Dach, Lenkrad, Bremse, Scheinwerfer, Auspuff + Spiegel und dreimal Motor. Es entwickelte sich eine Phase des Innehaltens und des Nachdenkens. Plötzlich war zu spüren, wie sich die Atmosphäre im Raum veränderte.

 

Was bedeuten drei Motoren für ein Team? Arbeitet das Team mit einem hohen Tempo? Bewegen die einzelnen Motoren das Auto in eine Richtung? Ist vielleicht eine Bremse lebensrettend und notwendig? Wie arbeiten Luft und Klimaanlage zusammen? Welche Aufgaben übernehmen Scheinwerfer und Lenker? Reicht ein Reifen aus, um das Auto/Team in´s Rollen zu bekommen? Warum gibt es keinen Tank und keine Benzin für das Auto?...

 

Es entstand ein offenes und konstruktives Miteinander, in der die Teammitglieder gemeinsam überlegten, wann und wo diese Erkenntnisse im Arbeitsalltag wieder zu finden sind. Möglichkeiten und Ansätze wurden sichtbar, die die derzeitige Struktur und das Miteinander verändern konnten.

 

Viele unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse wurden in diesem Zusammenhang thematisiert und bearbeitet. Dabei wurde nicht nur über Sinn oder Unsinn von drei Motoren diskutiert sondern ebenso offen über Selbstvertrauen, Mut, Angst, Willenskraft und Bereitschaft gesprochen.

 

Knackpunkte bearbeiten

 

Knackpunkte wie z.B. Einhaltung von Absprachen und Fristsetzungen, Verbesserung der internen Kommunikation, Beantwortungen von Mailabfragen, Zuständigkeiten für Aufgaben sowie Vorbereitung und Nachbereitung von Teambesprechungen wurden bearbeitet. Die Basis für einen gemeinsamen Weg mit einem gemeinsamen Ziel entwickelte sich. Unsicherheiten und Unklarheiten sollten in Zukunft angesprochen und offen diskutiert werden, damit das „Auto“ in Zukunft sicher und zuverlässig fahren kann.

 

Im anschließenden Lösungsprozess konnten einzelne, konkrete Schritte daraus abgeleitet werden, die im späteren, gemeinsamen Maßnahmenplan für alle verbindlich festgehalten wurden. So wurde von allen Teammitgliedern u.a. ein scheinbar banales Ergebnis, wie z.B. der Tagesordnungspunkt „Abfrage-Sonstiges“ bei Teamsitzungen als sehr wichtig eingestuft und somit verpflichtend eingeführt.

 

Um seine Erfahrung auszutauschen und die vorgenommenen Vereinbarungen zu überprüfen fand 6 Wochen später ein Follow-up statt. Eindringlich wurde ich von den Teammitgliedern gebeten, die Übung „AutoTeile“ zu wiederholen, um zu sehen, in wie weit sich etwas verändert hatte.

 

Natürlich sind Verhaltensänderungen nicht allein durch Bewusstsein, ein Puzzle und eine AutoTeile Übung zu erreichen. An dieser Stelle möchte ich jedoch nicht weiter auf Details von diesem Teambeispiel eingehen. Der Rahmen dieses Artikels diente lediglich dazu einen kleinen Einblick in eine Teammediation zu geben.

 

Ihre Sabine Krause

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